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<title>Plasmapherese</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Plasmapherese</span></h1>
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<p>Der Begriff <b>Plasmapherese</b> (Plasmaseparation) oder <b>Membranplasmaseparation</b> beschreibt
</p>
<ul><li>den Vorgang der Blutplasmatrennung, konkret die Gewinnung des <a href="Blutplasma" title="Blutplasma">Plasmas</a> während der <a href="Plasmaspende" title="Plasmaspende">Spende</a> manuell (veraltet) oder automatisch mit Plasmapheresegeräten (präparative Plasmapherese) oder</li>
<li>als <a href="Blut#Blutreinigung" title="Blut">Blutreinigungsverfahren</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> den Austausch des Blutplasmas als therapeutische Maßnahme.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Präparative_Plasmapherese"><span id="Pr.C3.A4parative_Plasmapherese"></span>Präparative Plasmapherese</h2></div>
<p>Der spanische <a href="H%C3%A4matologe" class="mw-redirect" title="Hämatologe">Hämatologe</a> José Antonio Grifols Roig beschrieb als erster die systematische Anwendung der Plasmapherese-Technik beim Menschen. Seine Arbeit, die am 19. April 1952 im <a href="The_BMJ" title="The BMJ">British Medical Journal</a> veröffentlicht wurde,<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> beruhte auf einer Studie mit 320 Spendern. Die Studie wurde auf dem 4. Internationalen Kongress für <a href="Bluttransfusion" title="Bluttransfusion">Bluttransfusionsmedizin</a> vorgestellt.
</p><p>Durch eine Nadel in der gestauten Vene einer Armbeuge fließt Blut in einem durch Pumpen, Druck- und optische Sensoren gesteuerten Prozess. In der schmal-zylindrischen Zentrifuge wird möglichst reines Plasma abgetrennt, in einem transparenten Behälter gesammelt und gewogen. Diese Fraktion ist gelb, in 5 cm Schichtdicke eher noch transparent, eine Trübung durch <a href="Blutfett" class="mw-redirect" title="Blutfett">Fetttröpfchen</a> ist unerwünscht und stört die Filtration. Die blutzellenreiche Fraktion ist dunkelrot und ab 1–2 mm Schichtdicke undurchsichtig, und deutlich dickflüssiger als das venöse Blut und wird in einem etwa 200 ml fassenden Rückgabebehälter gesammelt und verdünnt mit <a href="Isotonische_Kochsalzl%C3%B6sung" title="Isotonische Kochsalzlösung">isotonischer Kochsalzlösung</a> taktweise zurückgespeist. Ist die Zielmenge Plasma erreicht und die letzte Portion Dickblut zurückgeflossen, wird noch das Set samt Zentrifuge mit Salzlösung gespült, um die Blutkörperchen möglichst vollständig zurückzugeben.
</p><p>Dieses Trennverfahren ist eine spezielle Form der <a href="Apherese" title="Apherese">Apherese</a>. Der Plasmasammelbeutel wird durch Abschweißen des Zulaufschlauchs hermetisch verschlossen und rasch, spätestens binnen einer Stunde tiefgefroren. Dieses Produkt kann zu Plasma zur direkten therapeutischen Anwendung verarbeitet werden oder wird als Ausgangsstoff zur Fraktionierung und für Plasmaderivate an die Industrie verwendet.
</p><p>Der Spendevorgang dauert für einen Spender rund 30 bis 70 Minuten. Der Vorteil der reinen Plasmaspende gegenüber einer Vollblutspende mit späterer Trennung ist der, dass der Spender nur wenige der wichtigen roten Blutkörperchen verliert. Der entstehende Flüssigkeitsverlust wird durch einströmendes Zellwasser aus dem Gewebe rasch ausgeglichen, wodurch der Spender kaum belastet wird. Im Gegensatz zu <a href="Blut#Zelluläre_Bestandteile" title="Blut">Blutzellen</a> werden die Eiweiße des Plasmas wie Gerinnungsfaktoren und <a href="Albumin" class="mw-redirect" title="Albumin">Albumin</a> innerhalb von zwei Tagen bis zu einer Woche voll ausgeglichen und ersetzt, womit der Spender sehr schnell wieder spendefähig wird. Bei einer <a href="Blutspende" title="Blutspende">Vollblutspende</a> wären mindestens acht Wochen (56 Tage) Erholung bis zur nächsten Spende notwendig.
</p><p>Das tiefgefrorene Blutplasma wird weiterbearbeitet und zu Frischplasmakonzentraten (FFP, GFP) aufbereitet, die als tiefgefrorene oder lyophilisierte Präparate zur Behandlung von Gerinnungsstörungen, Plasmaaustausch und Massivtransfusion angewendet werden. Es wird aber in seiner Hauptmenge durch <a href="Plasmafraktionierung" title="Plasmafraktionierung">Plasmafraktionierung</a> zur Herstellung von Humanalbuminlösungen, Gerinnungsfaktoren und Immunglobulinen (Plasmaderivate) verwendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Therapeutische_Plasmapherese">Therapeutische Plasmapherese</h2></div>
<p>Die therapeutische Plasmapherese ist eine Austauschbehandlung, bei der mittels eines Plasmapheresegerätes das patienteneigene Plasma abzentrifugiert und abgefiltert, gleichzeitig aber durch eine Substitutionslösung ersetzt wird, die Elektrolyte, Puffersubstanzen (in der Regel Hydrogencarbonat) und etwa fünf Prozent Albumin oder Frischplasmakonzentrate enthält. Diese Rezeptur simuliert körpereigenes Plasma.
</p><p>Einsatz findet diese Form der Behandlung, die in der Regel von <a href="Nephrologie" title="Nephrologie">Nephrologen</a> durchgeführt wird, bei <a href="Autoimmunerkrankung" title="Autoimmunerkrankung">Autoimmunerkrankungen</a>, die einer schnellen Elimination von Antikörpern oder Antigen-Antikörper-Komplexen aus dem Blut bedürfen, da ansonsten schwere Organschäden oder der Tod unvermeidbar sind, bei vitalbedrohlichen Vergiftungen, bei denen das Toxin eine hohe Eiweißbindung aufweist, sowie bei einer pathologischen Erhöhung von Plasmaeiweißen mit konsekutiver Viskositätssteigerung mit Auftreten von zentralnervösen Symptomen. War in den ersten Jahren nach Schaffung der technischen Möglichkeiten zur therapeutischen Plasmapherese die Indikationsstellung breit, so sind die nachweislich sinnvollen Einsatzgebiete mit zunehmender Erfahrung heutzutage sehr begrenzt: Das <a href="Goodpasture-Syndrom" title="Goodpasture-Syndrom">Goodpasture-Syndrom</a> und das im Rahmen von Plasmozytomerkrankungen auftretende <a href="Hyperviskosit%C3%A4tssyndrom" title="Hyperviskositätssyndrom">Hyperviskositätssyndrom</a> werden mit Plasmapherese behandelt. Weiterhin spielt die Plasmapherese eine wichtige Rolle bei der Therapie von schubförmig verlaufender <a href="Multiple_Sklerose" title="Multiple Sklerose">Multipler Sklerose</a>, falls die Behandlung mit <a href="Glukokortikoide" class="mw-redirect" title="Glukokortikoide">Glukokortikoiden</a> fehlschlägt.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Etabliert ist der Einsatz der Plasmapherese auch beim <a href="Guillain-Barr%C3%A9-Syndrom" title="Guillain-Barré-Syndrom">Guillain-Barré-Syndrom</a>, der <a href="Thrombotisch-thrombozytopenische_Purpura" title="Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura">thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura</a> sowie bei der <a href="Chronisch_inflammatorische_demyelinisierende_Polyneuropathie" class="mw-redirect" title="Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie">chronischen inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP)</a>. Auch bei vorliegen eines <a href="Leberversagen" title="Leberversagen">Leberversagens</a> kann die Methode erwogen werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Rolf Bambauer, Reinhard Latza, Ralf Schiel: <i>Therapeutic Plasma Exchange and Selective Plasma Separation Methods – Fundamental Technologies, Pathology and Clinical Results.</i> 4. Auflage. Pabst Science Publishers, 2013, ISBN 978-3-89967-732-4.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans Eduard Franz (Hrsg.): <i>Blutreinigungsverfahren: Technik und Klinik. Hämodialyse, Peritonealdialyse, CAPD, CCPD, Hämofiltration, Hämodiafiltration, Hämoperfusion, Membranplasmaseparation.</i> 3., neubearbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart / New York 1985.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">J. A. Grifols-Lucas: <cite style="font-style:italic">Use of Plasmapheresis in Blood Donors</cite>. In: <cite style="font-style:italic">BMJ</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>1</span>, <span style="white-space:nowrap">Nr.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>4763</span>, 1952, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>854–854</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.1136/bmj.1.4763.854">10.1136/bmj.1.4763.854</a></span>, <a class="external mw-magiclink-pmid" rel="nofollow" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14916171?dopt=Abstract">PMID 14916171</a>, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2023259/">PMC 2023259</a> (freier Volltext).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Plasmapherese&rft.atitle=Use+of+Plasmapheresis+in+Blood+Donors&rft.au=J.+A.+Grifols-Lucas&rft.date=1952&rft.doi=10.1136%2Fbmj.1.4763.854&rft.genre=journal&rft.issue=4763&rft.jtitle=BMJ&rft.pages=854-854&rft.pmc=2023259&rft.pmid=14916171&rft.volume=1" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Weinshenker u. a.: <i>A randomized trial of plasma exchange in acute central nervous system inflammatory demyelinating disease.</i> Ann Neurol. 46(6), Dec 1999, S. 878–86. <a class="external mw-magiclink-pmid" rel="nofollow" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10589540?dopt=Abstract">PMID 10589540</a>.</span>
</li>
</ol>
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